Werkstatt

Schnauzbart hat den Job. Mit dem Porsche Oldtimer um die Ecke zum TÜV.

Written by hansbahnhof

Mein leicht nachdenkliches Verhältnis zu Porsche Werkstätten, gerade zu freien Schraubern, habe ich in „Achtung Freie Porsche Werkstatt?“ ausführlich dargelegt. Zahlreiche Mails von anderen Porsche Oldtimer Besitzern haben mit gezeigt, dass ich mit meinen Sorgen und Erfahrungen mitnichten allein bin.

Die Geschichten in den Mails ähneln sich und die Verfasser haben nach schlechten Erfahrungen fast ausnahmslos kapituliert. „Die Karawane zieht weiter“, ist der Tenor bei den meisten Betroffenen. Denn nach einer verpfuschten Porsche-Reparatur rechtliche Schritte einzuleiten, führt zu zeitraubenden Auseinandersetzungen und dem gefürchteten Vergleich. Eine Praxis, mit der deutsche Gerichte dafür sorgen, dass in möglichst vielen Verfahren Gut und Böse gleichermaßen bluten müssen. Damit das bloß nicht einreißt mit den Klagen.

Die Alternative, „Selber schrauben am Porsche Klassiker“, funktioniert natürlich nur für diejenigen, die erfahren oder mutig sind und darüberhinaus entsprechend viel Zeit haben. Das heißt im Umkehrschluss: Man ist – ob man will oder nicht – irgendwann auf eine Werkstatt angewiesen. Spätestens dann, wenn der TÜV ansteht. Und wenn man, wie ich, keine Lust hat, sich einen Tag frei zu nehmen, um sich mit dem Porsche Oldtimer bei TÜV oder DEKRA in die Schlange der Plakettenaspiranten einzureihen.

Mit dem Porsche 911 S in die Werkstatt „um die Ecke“

Warum eigentlich, fragte ich mich vor einigen Wochen, sollte man nicht mal versuchen, den 911 S einfach zur Werkstatt um die Ecke zu bringen. Eine Werkstatt, die mit alten Porsches nix zu tun hat, aber ganz groß „HIER HAUPTUNTERSUCHUNG!!!!!!“ über dem Eingang stehen hat. Außerdem gibt es den Laden seit mindestens 40 Jahren. Dort sollte man sich also schon aus Tradition mit altem Blech auskennen.

Warnse schomma hia?

Versuch macht Erfahrung, sage ich mir und nehme den Hörer zwecks Terminvereinbarung ab. Es klingelt lange, bis ich meinen TüV Wunsch äußern kann. „Warnse schomma hia?“, schallt es aus dem Fernsprecher. Hier im Pott ist man direkt und schnoddrig. Das heißt aber nicht, dass man unhöflich ist. Man kommt eben schnell zum Wesentlichen und vermeidet nutzlose Kleingespräche.

„Ja.“, meine ich knapp. Mit dem Skoda Octavia der Frau. „Achja“, höre ich dumpf am anderen Ende und mein Gegenüber bemüht die analoge Kundenkartei. Die Frau steht offensichtlich auf einer Karteikarte mit dem Vermerk „hat bezahlt“.

„Watt is dat für´n Fahrzeuch?“, schallt es geschäftig aus der Muschel. „Porsche 911 S Targa 2.4l, Baujahr 1972“, antworte ich. Am anderen Ende ist man weder beeindruckt noch überrascht. Ich spreche mit einem Profi. „Dann brauch der auch AU.“ Ich stimme zu. Die Abgasuntersuchung ist nämlich für alle Fahrzeuge ab 1969 Pflicht. Beim Porsche 911 S ist sie eine Herausforderung, weil er mit niedriger Verdichtung und mechanischer Bosch Benzineinspritzung quasi ein stinkender Drecksack ab Werk war.

„Kommen se in zwei Wochen morgens früh um Acht. Dat Fahrzeuch können se dann nammittags wieder abhol´n.“

Das war´s schon? Keine Nachfrage à la „Das ist ja schon ein Oldtimer“ oder „schönes Auto“. Nö. Brauche ich aber auch nicht. Ich will ja TÜV und keinen neuen Facebook-Fan. Außerdem will ich mal eine Hauptuntersuchung, die nicht mit einer Rechnung für die TÜV-Vorbereitung in Höhe von ein paar hundert Euros verbunden ist.

Zwei Wochen später

Zwei Wochen später chauffiere ich den 911 S auf einen Werkstatthof, der mit KFZ aller Marken vollgestellt ist. Ich halte, wo Platz ist. In zweiter Reihe parkt eine rote Mercedes Pagode im Zustand „geht so.“ Ich begebe mich ins Office. Dem Tresen sieht man an, dass hier mehr als fünfzig Jahre lang täglich Ketten ohne Filter geraucht wurden.

Ein Schnauzbart im blauen Kittel begrüßt mich knapp. „TÜV – ne?“ Ich nicke. Schnauzbart greift mit mittelsauberen Fingern nach dem Porsche-Schlüssel. Ich räuspere mich: „Noch zwei drei Sachen…“ – Schnauzbart blickt fragend auf.  „Passen Sie mit der Fahrertür auf – die hakt beim Aufschließen ein bißchen. Den Schlüssel hat man ruckzuck abgebrochen. Wenn sie ihn auf die Bühne stellen, achten Sie auf die Ölleitungen rechts am Wagen. Die quetscht man schon mal ein, wenn man nicht aufpasst und außerdem müssen Sie ….“. Schnauzbart hebt verkehrspolizistengleich die Hand: „Iss klar. Holense heute ab fünf Uhr ab!“

Ich mache mich auf den Weg Richtung Büro und habe kein gutes Gefühl. Irgendwie.

Schnauzbart hat den Job

Vier Stunden später kommt die beste Sekretärin der Welt ins Büro: „Da hat einer angerufen. Ihr Auto wäre fertig.“ Aha. Kein „Rufen Sie mal zurück, da ist 1. etwas kaputtgegangen oder 2. da muss für 12.000 Euro ein neuer Motor rein, damit er über die AU geht? Na gut. Ich begebe mich zu Fuß in Schnauzbarts Werkstatt und habe noch immer kein wirklich gutes Gefühl.

Schnauzbart schiebt stumm die Rechnung mit TüV-Bericht und AU über den Werkstatt-Tresen. Ich bin erstaunt: „Hat alles geklappt? Auch die AU?“, frage ich. Schnauzbart nickt so kurz wie stumm. „Karte?“, fragt er? Nee – ich zahle bar. Die ganzen 119,– Euro. Das war die günstigste Hauptuntersuchung meiner Porsche Oldtimer-Karriere.

Porsche 911 S 2.4 TÜV Bericht. Plakette zugeteilt mit "leichten Mängeln". Dabei sollte man bei TÜV doch wissen, dass ein Porsche Oldtimer Motor, der nicht ölfeucht ist mit großer Wahrscheinlichkeit überhaupt kein Öl enthält...

Porsche 911 S 2.4 TÜV Bericht. Plakette zugeteilt mit „leichten Mängeln“. Dabei sollte man bei TÜV doch wissen, dass ein Porsche Oldtimer Motor, der nicht ölfeucht ist mit großer Wahrscheinlichkeit überhaupt kein Öl enthält…

„Ich hol das Fahrzeuch vonne Bühne.“ Der blaue Kittel schwebt durch die Tür in Richtung Werkstatt. Fünf Minuten später sitze ich im frisch getüvten 911 S und schaue mich um. Die VDO-Uhr tickt. Ein Dreh am Schlüssel und ich röhre Richtung Heimatgarage. Auf dem Beifahrersitz rutschen TüV-Bericht, AU und Rechnung herum. Wann muss der 65er SWB eigentlich zum TüV? Schnauzbart hat den Job jedenfalls.

(Beitragsbild: Der TDM Porsche 911 S 2.4 Targa auf dem Weg Richtung „Tour de Grandes Alpes“ 2008)

 

 

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hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

9 Comments

  • Hallo Ansgar!
    Ich kenne dieses maue Gefühl im Bauch wenn man nicht sicher ist,
    ob der 11er wirklich in guten Händen ist.
    Und es gibt gute Gründe dafür.
    Freut mich, dass es bei dir glatt lief;-)

    Grüße
    Andreas

    • Hallo Andreas,
      vielen Dank – man muss ja zwischendurch auch mal Glück haben mit sowas. Interessant war, dass das wirklich der allererste TÜV-Termin in mehreren Jahren war, wo überhaupt keine einzige Zusatzrechnung auftauchte. Auch wenn man davon ausgehen kann, dass der Wagen mittlerweile durchrepariert ist, gehe ich fast davon aus, dass ich bei einem Porsche Spezialisten noch einige Kleinigkeiten auf der Rechnung gefunden hätte…

  • Ich kenns´ nur noch so! TÜV immer in der freien (Porsche-)Werkstatt oder beim PZ, für mich niemals mehr direkt bei einer autorisierten Prüfniederlassung. Nicht mit meinem Porsche-Oldie, noch mit meinem neuzeitlichen Wasserporsche.
    Das endete IMMER ohne Plakette obwohl alle Nachprüfungen dann bei Werkstattbetrieben OHNE Nachbesserung direkt durchgingen.
    Meine Erfahrung direkt beim TÜV (nenne ich jetzt mal stellvertretend für alle anerkannten Prüforganisationen) ist eigentlich immer so abgelaufen: 10 Minuten sinnieren was dies doch für ein tolles Auto ist so ein Porsche, hochziehen an Wesentlichem wie toll dies doch an diesem Auto gelöst ist, echte Problemstellen (die mich zu Recht hätten zittern lassen) links liegen gelassen, dann wohl eine Art innerer Eingabe „sowas werde ich mir niemals leisten können, jetzt muss ich zu meiner inneren Befriedigung irgendwas finden“ – und so kam es dann auch…
    Dinge die nach Porschekennern noch absolut im Toleranzbereich sind, waren plötzlich Kernschrott. Bremsen die gerade mal 40% runter hatten total eingelaufen etc. pp.

    Das ganze habe ich mir in meinem Autofahrerleben 4x gegeben (3! Jahre alter Cayman -> ohne Plakette vom Hof, 24 Jahre altes G-Modell -> ohne Plakette vom Hof, 20 Jahre alter 964 -> ohne Plakette vom Hof, 18 Jahre alter 968 „was ist denn das für eine 928-Replika?“ -> ohne Plakette vom Hof) – never ever mehr direkt zum TÜV.

    • Ja wo ist der denn? Das habe ich wohl beim Konfigurieren irgendwie verschwitzt. GefälltmirButton kommt schnellstmöglich!

  • Uff, bis zum Schluss habe ich gezittert
    – Auto kaputt und keine Plakette – aber daß es dann so gut ausgegangen ist, läßt Einen dann doch noch an das Gute in der Welt glauben !

  • Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen.
    Zu einer direkten TÜV Niederlassung würde ich niemals fahren.
    Das habe ich 2 mal gemacht und bin jeweils an einen Erbsenzähler geraten,
    der geradezu besessen etwas suchte.
    Da war er bei mir allerdings richtig 🙂
    Bei einer Werkstatt null Probleme, mit unserem Privatwagen verbinde ich das
    oft mit einer nötigen Inspektion oder kleineren Reparatur und hatte bislang
    keine Probleme, auch nicht mit hohen Rechnungen.
    Es gibt noch wirklich gute KFZ Werkstätten, da macht dann auch ein Gebrauchtwagenkauf Spaß.

    Grüße
    Andreas

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