Schottland 2010 TdM Blog News

Tag 1: Von Deutschland nach Ijmuiden.

Written by hansbahnhof

Es geht los. Das Verstauen von Sack und Pack im 911 S ist mittlerweile Routine. Dass der große Rimowa Trolley quer in den Kofferraum passt, hätte aber keiner von uns beiden gedacht. Oben und an den Seiten bleiben geschätzte 1,5 mm Platz. Als wäre er speziell für den Kofferraum des 72er 911 S angefertigt worden. Der Großteil des Gepäcks besteht aus Film- und Videoausrüstung. Für 10 Ladegeräte haben wir sogar einen eigenen Beutel, der sich in verbleibende Öffnungen zwischen anderen Gepäckstücken stopfen lässt.

Das zusätzliche Gewicht macht aus dem üblicherweise hektisch umherspringenden 911 eine getragen agierende Reiselimousine. Zwischen Sportwagen und Grand Turismo liegen ca. 40 kg Reisegepäck. Das war sicherlich von Porsche so beabsichtigt.

Auf der Autobahn nach Ijmuiden

Die Fahrt Richtung Ijmuiden ist unspektakulär. Mitschwimmen auf der Autobahn. Geschwindigkeit zwischen 100 und 120 km. Plötzlich hupt es. Der Transporter, der uns überholt und verringert das Tempo. Ist was kaputt? Im Gegenteil. Der grinsende Holländer auf dem Beifahrersitz macht „Daumen hoch“ für das alte Auto. „Holländer kauft Unfallwagen“ waren die Anzeigen in der WAZ in den Siebzigern übertitelt. Die Begeisterung für altes Blech ist scheinbar geblieben.

Kein Mucks mehr im Hafen

Die Einfahrt in den Hafen von Ijmuiden ist souverän. Wir haben es geschafft. Noch 3 Stunden bis zur Abfahrt der Fähre. Jetzt kann nichts mehr passieren.

Von wegen "Jetzt kann nichts mehr passieren": Der Porsche 911 S 2.4 Targa macht im Hafen von Ijmuiden vor Antritt der Reise keinen Mucks mehr. Müssen wir den Urlaub abbrechen?

Von wegen „Jetzt kann nichts mehr passieren“: Der Porsche 911 S 2.4 Targa macht im Hafen von Ijmuiden vor Antritt der Reise keinen Mucks mehr. Müssen wir den Urlaub abbrechen?

Nur noch kurz Tickets abholen und dann den Wagen in die Schlange hinter die anderen Autos stellen. Denkste. In den 30 Minuten, die wir im Fährgebäude auf Tickets warten, schaltet die mechanische Einspritzung auf stur. Mehr als das Orgeln des Anlassers ist nicht aus dem S herauszuholen.

Andere Autos fahren bereits auf das Gelände. Wir orgeln. Mit Handgas. Ohne Handgas. Die Tricks, die den S in den letzten zwei Jahren regelmäßig zum Anspringen gebracht haben, helfen nicht. Die Fuhre ist nicht mehr in Gang zu kriegen.

Während die "Tour d´Ecosse" des Austin Healey Clubs Holland sich Richtung Fähre einreiht, will der 911 S einfach nicht starten.

Während die „Tour d´Ecosse“ des Austin Healey Clubs Holland sich Richtung Fähre einreiht, will der 911 S einfach nicht starten.

Ich orgele ein letztes Mal. Nichts. Durch den kalten Schweiß der von meiner Stirn in meine Augen läuft, sehe ich immer mehr Autos auf das Fährgelände fahren. Darunter mehrere klassische Elfer. Der Austin Healey Club Holland veranstaltet nämlich die „Tour d´Ecosse“ und hat neben zahlreichen Healeys im Rallye-Trim auch drei 911er F-Modelle im Schlepptau.

Noch zwei Stunden bis zur Abfahrt. Gut, dass die Frau soviel Zeit für Unvorhergesehenes eingeplant hat. Wir entscheiden uns dafür, die Anlassversuche zu unterbrechen und 30 Minuten zu warten. Kalt springt der S nämlich in der Regel deutlich besser an. Dann rufen wir den AVD. Ich öffne die Motorhaube damit der Motor schneller abkühlt. Es beginnt zu regnen. Im Wagen ist es still. Ist der Urlaub schon gelaufen?

Die blaue Wolke der Erleichterung

Nach dreißig Minuten dann die Sekunde der Wahrheit. Einmal orgeln. Nichts. Zweimal orgeln. Immer noch nichts. Dreimal orgeln. Indigniert hüstelnd startet der Boxer und begrüßt die „Engeland“-Fähre mit einer großen blauen Wolke.

Wir reihen uns am Ende der Schlange hinter einem Healey mit ordentlich Rennpatina ein und sind froh, als wir auf dem Gelände stehen. Unser Plan: Abkühlen lassen und dann erst wieder starten, wenn der Mann am Tor winkt. Das sollte funktionieren. Und das tut es auch. Ahoi Schottland. Wir kommen.

Holland verabschiedet uns mit Rauchzeichen: Der Hafen von Ijmuiden von der Schottland-Fähre aus gesehen.

Holland verabschiedet uns mit Rauchzeichen: Der Hafen von Ijmuiden von der Schottland-Fähre aus gesehen.

Am Himmel zeichnet sich bereits ab, was wir später so an Schottland lieben werden: Dramatische Wolken.

Am Himmel zeichnet sich bereits ab, was wir später so an Schottland lieben werden: Dramatische Wolken.

Nachtrag 2012

Im Nachhinein stelllte sich heraus, dass die Startprobleme keineswegs an Hitze oder der Einspritzpumpe lagen. Schuld war ganz einfach das am buchstäblichen kupfernen Faden hängende Zündschloss des S.

Hier hatten die italienischen Vorbesitzer ordentlich improvisiert – und zwar unter Zuhilfenahme eines Fiat Zündschlosses (!), das seine besten Tage schon vor unserer Schottland-Tour deutlich hinter sich hatte. Dass wir Schottland 2010 überhaupt ohne Kabelbrand überlebt haben, halte ich auch jetzt noch für ein ziemliches Wunder.

 

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hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

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