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Techno Classica 2013 – Porsche 911 Preis Poker (Report)

Written by hansbahnhof

In diesen Tagen erhält der dreihunderttausendste Oldtimer in Deutschland sein H-Kennzeichen. Das Konzept, Kulturgut auf vier Rädern zu bewahren und zu fördern, kann man also getrost als Erfolg werten. Einen nicht unerheblichen Beitrag hierzu hat die Leitmesse der Oldtimerei geleistet. Die Techno Classica hat sich in den vergangenen 25 Jahren zu einer der bedeutendsten Veranstaltungen dieser Art gemausert.

In diesen Tagen erhält der dreihunderttausendste Oldtimer in Deutschland sein H-Kennzeichen. Das Konzept, Kulturgut auf vier Rädern zu bewahren und zu fördern, kann man also getrost als Erfolg werten.

Einen nicht unerheblichen Beitrag hierzu hat die Leitmesse der Oldtimerei geleistet. Die Techno Classica hat sich in den vergangenen 25 Jahren zu einer der bedeutendsten Veranstaltungen dieser Art gemausert und zieht Besucher aus der ganzen Welt an.

Dabei hat sich am ursprünglichen Konzept, gleichzeitig Plattform für kommerzielle Händler und Fans und Clubs zu sein nichts geändert. Nur gewachsen ist die Veranstaltung in den Essener Grugahallen. Und zwar deutlich.

50 Jahre Porsche 911 auf der Techno Classica

Wie in jedem Jahr habe ich meinen Rundgang mit extremem Tunnelblick absolviert. Mich interessierten die Porsche-Angebote und das Porsche-Drumherum. Und nicht mal das habe ich in acht Stunden Messe komplett geschafft. Ok – die Pressekonferenz hatte XXL-Format und kostete Zeit – sicher auch wegen des Jubiläums. Da darf man sich mal feiern.

Porsche 911 auf der Techno Classica 2013. Klassische Porsche überall und zu immer überraschenderen Preisen.

Porsche 911 auf der Techno Classica 2013. Klassische Porsche überall und zu immer überraschenderen Preisen.

Insgesamt macht es Sinn, sich zwei Tage für die Messe zu nehmen. Anders geht es eigentlich nicht mehr, wenn man wirklich im Detail recherchiert oder nach speziellen Angeboten sucht.

Oldtimer Porsche Trends

Die Trends sind ähnlich wie im letzten Jahr und lassen sich einteilen in

1. Steigende Preise für Porsche Oldtimer

Ob Porsche 911 oder Porsche 356 Alteisen: Die Preise ziehen weiter an, wobei gefühlt die 911er die Nase vorn haben. Das mag an ihrer Alltagstauglichkeit liegen. Oder am 50-jähhrigen Porsche 911 Jubliläum. Oder daran, dass die Leute, die heute diese Autos zum Spaß oder als Invest kaufen, in den sechziger und siebziger Jahren das Licht der Welt erblickt haben. Merke: Man kauft, was man als Kind toll fand.

2. Originalzustand treibt Preise

Die ohnehin teils schmerzhaft hoch erscheinenden Preise werden in einer Disziplin noch getoppt: Autos im Originalzustand rechtfertigen plötzlich Preisaufschläge von 30% – 100%. Das ließ sich nicht nur auf der Techno Classica beobachten, sondern ist allgemein ein massiver Trend im Markt.

Früher 1965er Porsche 911 im Originalzustand auf der Techno Classica 2013: Am ersten Tag verkauft trotz deutlich sechsstelligem Preisschild.

Früher 1965er Porsche 911 im Originalzustand auf der Techno Classica 2013: Am ersten Tag verkauft trotz deutlich sechsstelligem Preisschild.

Aus meiner Sicht allerdings ist das erstmal positiv. Weniger aufgrund der horrenden Preisvorstellungen, sondern vielmehr, weil zahlreiche der im Originalzustand angebotenen 911er noch vor zehn Jahren einer „Note 1“-Restaurierung zum Opfer gefallen wären. Gut, dass sich dieser Trend etwas verlangsamt hat. Aber so ganz ist es noch nicht vorbei.

3. „Besser als neu“-Restaurationen

Preistreiber Originalzustand hin oder her. Eine ganz wichtige Käufergruppe lernt es nicht: Die Garagengoldkäufer kaufen munter Autos im Zustand „Besser als neu“. Das hat gleich zwei negative Effekte.

Porsche 911 Urelfer auf der Techno Classica 2013 - Besser als neu? Oder besser Original?

Porsche 911 Urelfer auf der Techno Classica 2013 – Besser als neu? Oder besser Original?

Angenommen, der Wagen ist wirklich besser als neu restauriert. Dann hat er (1) seine vollständige Vergangenheit eingebüßt. Kein Kratzer, keine Welle, keine Farbabweichung. Im schlimmsten Fall ist (2) der „Besser als Neu“-Zustand durch die Verwendung von Repro-Teilen entstanden. Ein typischer Garagengoldkäufer merkt das nie – bzw. später. Denn ob das teuer erworbene „Zustand 1“ Garagengoldstück einige Jahre später noch als solcher durchgeht, steht auf einem anderen Blatt.

4. Fängt beides mit „B“ an: „Besser als neu“ und „Blender“

„Besser als neu“ sind aber auch viele Blender, deren Hochglanzäußeres darüber hinwegtäuscht, dass massiv gepfuscht wurde. Der Pfusch im Detail fällt dem Jäger des Garagengoldes nicht auf. Hauptsache, die Farbe stimmt und der Hinweis „Vollrestauration“ prangt neben dem Preisschild.

So sieht man über schlechte Spaltmaße, fehlende Teile oder nicht korrekte Ausstattungsmerkmale schnell hinweg. Denn wer Garagengold kauft, hält sich selten mit jahrelanger Literaturrecherche auf.

Das Ausmaß der Dämlichkeit ist überraschend: „Manche der Elfer hießen „996“ – aber dann hießen sie auch wieder „911“, so ein „Experte“ neben mir zu seinem Kollegen. „Da waren die bei Porsche damals ziemlich inkonsequent“. Der von ihm belehrte Porsche-Laie neben ihm nickt andächtig ob soviel Detailkenntnis und hat wieder was gelernt. Ach Du meine Güte.

5. Das Ende der Blase?

Ist das, was wir seit nunmehr zwölf Jahren in der Porsche Oldtimerszene erleben, eine Preisblase?

Porsche 911 Urelfer während der Restauration - alles Original? Oder sogar besser als neu? Oder?

Porsche 911 Urelfer während der Restauration – alles Original? Oder sogar besser als neu? Oder bald Garagenblei weil ihn niemand mehr will? Wohl eher nicht.

Das traut sich niemand zu sagen und auch ich tue das nicht. „Porsche Hunter“ Joost aus Holland, den ich auf der Techno Classica bei der Analyse eines frühen 911 Coupés kennenlerne, formuliert es so: „Es sind nur wenige frühe Elfer gebaut worden. Die Märkte im asiatischen und osteuropäischen Bereich haben gerade erst begonnen, sich für Porsche Oldtimer zu interessieren. Die haben sich von ihrem ersten dicken Geld einen Cayenne oder einen neuen 911er gekauft und merken jetzt, dass das Massenautos geworden sind. Der Trend zur Individualität wird auch bei diesen Käufergruppen dazu führen, dass sie beginnen werden, sich für die Wurzeln der automobilen Legenden zu interessieren. Ein Ende der Preisentwicklung bei Porsche 911 sehe ich zurzeit nicht.“

Fazit

Die Techno Classica ist als Barometer der Preis- und Marktentwicklung im Oldtimerbereich nicht wegzudiskutieren. Ich bin im nächsten Jahr wieder dabei. Und egal, was auf dem Porsche Oldtimermarkt passiert: Ich werde wieder überrascht sein.

Mehr zur Techno Classica 2013

findet Ihr im aktuellen Teil der Maschine Videoblog unter http://www.teil-der-maschine.de/?p=3915

 

 

About the author

hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

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