Messen und Treffen

Teure Porsches billiger – billige Porsches besser – Techno Classica 2018

Written by hansbahnhof

Ich war auf der Techno Classica 2018 und habe Wurst gegessen. Außerdem habe ich mir Porsche F-Modell Preise angeschaut und gehört, wie die Luft aus der Blase entweicht.

„Saucisse“. Die mittelalte Französin hat lang genug in der Schlange der „Grill-Hütte“ gewartet. Jetzt ist sie an der Reihe und teilt dem hilflos blickenden Chef de Cuisine ihren Wunsch mit. Der hatte Latein in der Schule und die Bestellung ist ihm angesichts von 7 verschiedenen Wurstsorten zu unkonkret. „Ich kann kein Französisch“ höre ich hinter vorgehaltener Grillschürze und doch ist er eifrig bemüht, eine kulinarisch aktzeptable Lösung für die französische Dame zu finden.

Wurst-Case: Französisch-Deutsches Drama auf der Techno-Classica 2018.

Als er zu scheitern droht, hebt die hungrige Dame die Lautstärke deutlich an. Eine Technik, die ja jüngst wieder zur Lösung von Kommunikationsproblemen in Mode gekommen ist. Doch klären tut das nix. Kurz vor dem Abbruch der deutsch-französischen Beziehungen interveniert ein bilingualer Belgier. Madame bekommt eine saucisse, der Altsprachler am Grill atmet auf, die Schlange rückt vor. Europa ist gerettet.

Willkommen in Essen, wo die Welt mal wieder für fünf Tage zu Gast ist, um Oldtimer zu gucken. Gut, dass der Belgier heute den Frexit verhindert hat. Mit Wurst. Voilà.

Natürlich gab es auch in diesem Jahr nicht nur Porsches. Hier ein sehr nettes Mini-Doppel auf dem Seat-Stand. Süß!

 

Porsche-Geschichte am Porsche Classic-Stand.

So haben ihn die meisten gesehen: Liege-Rome-Liege 356.

 

Auch irgendwann mal ein Oldtimer! Der Boxster – hier als Schnittmodell bei Porsche.

F-Modelle, G-Modelle und Porschepreise

Zum Thema Porsche F-Modell-Preise fasse ich kurz zusammen:

  1. Teure Porsches werden billiger.
  2. Billige Porsches werden besser.
  3. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Hier könnt Ihr aufhören zu lesen. Schönes Wochenende.

Immer noch da? Dann versuche ich das kunterbunte Porsche-Angebot der Techno Classica 2018 noch einmal etwas zusammenzufasssen.

Das Angebot verlagert sich 2018 insgesamt etwas in Richtung G-Modelle und noch jüngere Youngtimer-Porsches. Trotzdem sind F-Modelle in nahezu jeder Halle zu finden. Unrestaurierte Autos? Fehlanzeige.

Ich hätte gern noch ein oder zwei Buchmann Turbo-Targas! Die sind leider aus, es gab insgesamt nur drei davon. Hier auf dem Stand von Fuchs (die mit den Felgen…)

Unrestauriert ist rar

Oder jedenfalls fast. Der patinierte aber stimmige 67er 911 S im Originallack (!) eines Anbieters in Halle 1 bildete eine Ausnahme. Fotos gibt es an dieser Stelle nicht, weil der bärtige Stand-Hipster trotz höflicher Nachfrage nicht wollte, dass ich Fotos vom Innenraum mache. „Ich habe keine Schüssel.“ „Die Beifahrertür ist aber auf!“ „Das glaube ich nicht.“ Ne klar.

Ölklappen – und nicht nur eine

Ansonsten finde ich einen 2.4S Ölklappe Coupé mit Schiebedach bei Clees für 129.000 EUR. Nicht perfekt, aber scheinbar ordentlich. Der 911 S Targa daneben in der selben Farbe kommt aus der Schweiz und scheint wirklich gut zu sein. 179.000 EUR soll die offene Ölklappe kosten. Kein Schnapper, aber preislich deutlich unter den optimistisch ausgepreisten Elfern der vergangenen Jahre.

Ölklappen übrigens gab es 2018 allenthalben. Viele davon auf den ersten Blick ganz ordentlich restauriert oder in akzteptablem Zustand zum Sofort-Losfahren. Mein Favorit: Ein albertblauer 911 T 2.4 mit beiger Innenausstattung und passendem Pepita-Sitzen auf dem Porsche Classic Partnerstand.

Albertblau. Was für eine schöne Farbe! Vor Allem mit beiger Innenausstattung!

 

Die Eleganz der frühen Siebziger. Schön!

„Fahrzeug zum Verkauf“ rief das Schild in der Windschutzscheibe zur Sicherheit und war symptomatisch für die aktuelle Situation. F-Modelle gehen nicht mehr wie geschnitten Brot. Wer eines hat, braucht keines mehr und wer noch eines will, hat die freie Wahl und meist auch Zeit zum Suchen.

Die Qualität wird besser – mit Ausnahmen

Das tut der Qualität des Angebotes gut, auch wenn die Techno Classica Preise noch immer zu hoch sind, um klassische Porsche der Sechziger und Siebziger wieder in den Blick der Schrauber und Fahrer zu rücken.

Qualitative Ausfälle gibt es bei den „Gemischtwarenhändlern“, wo der Neunelfer als Garagengoldmodell zwischen Pagoden und Alfas nicht fehlen darf. Bei diesen Anbietern hatte ich in diesem Jahr das Gefühl, dass gerade die Autos schlecht waren, bei denen auf dem Preisschild auf eine ganz besondere Restaurationsqualität hingewiesen wurde: Der Hinweis auf eine „Rotisserie-Restaurierung“ (das Porsche Pendant zum Dönerspieß) brachte mich hier zum Schmunzeln. Der 89.000 EUR teure Elfer, der bereits mit einem „Verkauft“-Schild glänzte, wird dem Neubesitzer noch einiges an Arbeit machen…

Verkauft: Für 89.000 EUR. Bei den Taragdachpassungen möchte ich nicht wissen, was da noch nachkommt…

Schön, Euch kennengelernt zu haben

„Hey – ich lese Dein Blog!“ – den Spruch habe ich heute mit viel Freude häufiger gehört und durfte viele, mir noch unbekannte Pfoten schütteln! War schön, Euch (und Sie) kennenzulernen. Ich freue mich immer darüber, mal zu sehen, wer so auf TDM mitliest und was Ihr für Autos fahrt. Überraschenderweise habe ich heute unter den TDM-Lesern mehr G-Modell- und 356-Fans kennengelernt, als solche mit F-Modellen…

Techno Classica 2018 – Fazit

Ich fand die Techno Classica in diesem Jahr insgesamt entspannter, als in den Vorjahren, weil am Mittwoch und Donnerstag nicht ganz so viele Oldtimerfans durch die Hallen wanderten. Das wird der SIHA nicht gefallen (vielleicht war es auch nur ein subjektiver Eindruck). Mir als Besucher hat das gutgetan und ich bin 2019 wieder dabei. Dann habe ich am Wurststand zur Sicherheit direkt das Mikro dabei.

 

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hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

3 Comments

  • Also, den albertblauen Porsche würde ich auch direkt nehmen, leider ist mein Taschengeld etwas zu knapp bemessen ;-)) …….
    Allerdings würden mir eierschalenfarbene Sitze besser gefallen, selbst wenn es vielleicht nicht so authentisch wäre.
    Warum heißt die Farbe eigentlich so, habe ich noch nie gehört – ich kenne nur royal-, himmel- und noch ein paar andere Blautöne – ist das nun eine Bildungslücke ?

    • Anne, Du bist die Erste, mit der ich eine Runde im 72er (Ruud) drehe, wenn er fertig ist. Über die Namensbezeichnung „Albert“-Blau habe ich mir zugegebenermaßen noch nie Gedanken gemacht. Das ist eine schöne Vorlage für einen Post zum Thema „Porsche Farbnamen und was dahinter steckt“. Danke für die Inspiration und Grüße zu Hause!

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