1965 2.0 Coupé - Porschekauf in USA TdM Blog News

Porschekauf in USA – 1965 Porsche 911 – Teil 2: Marktsituation

Written by hansbahnhof

Nachdem ich im ersten Beitrag zu dieser kleinen Serie mehr oder weniger verzweifelt versucht hatte, logische Argumente für den Kauf eines Zweitelfers aus dem ersten Modelljahr 1964 / 1965 zu konstruieren, blieb am Ende nur ein Weg zur Einsicht: Die Frau fragen.

Nachdem ich im ersten Beitrag zu dieser kleinen Serie mehr oder weniger verzweifelt versucht hatte, logische Argumente für den Kauf eines Zweitelfers aus dem ersten Modelljahr 1964 / 1965 zu konstruieren, blieb am Ende nur ein Weg zur Einsicht: Die Frau fragen.

Die ist in solchen Dingen immer so pragmatisch wie sparsam und würde mich mit einem kurzen Satz sowie ihrem weltberühmten vernichtenden Blick abkanzeln. Dann wäre das Thema „Porsche 911 von 1965 als Zweitporsche“ durch. Aber die Frau ist unkonzentriert: „Ist ja Deine Kohle“, tönt es hinter dem Macbook auf dem Sofa. Ja echt? Na dann mal los…

Marktsituation Porsche 911 Urelfer: Modelljahr 1964 / 1965

Ganz frühe Elfer sind beliebt und gesuchte Sammlerstücke. Doch das ist noch nicht lange so. Noch bis vor Kurzem wurden die frühen Porsche 911 zuhauf für den historischen Motorsport verschlissen. Dort galt lange eine Baujahrsgrenze bis 1965. Die allerersten Urelfer wurden daher häufig erheblich modifiziert und im Renneinsatz zerstört.

1965er Porsches sind in den einschlägigen Onlineportalen rar - und optimistisch bepreist

1965er Porsches sind in den einschlägigen Onlineportalen rar – und optimistisch bepreist – selbst wenn vom Originalzustand wie hier nicht mehr viel übrig ist. (Quelle: Autoscout24.de)

Der Markt ist also klein und das Angebot ist übersichtlich.

Bevor man sich also auf die Suche nach einem dieser seltenen Autos begibt, ist es wichtig, einen groben Überblick über die kleinen und feinen Unterschiede zwischen den angebotenen Autos zu bekommen. Denn diese Unterschiede führen direkt zu fünf- oder sogar sechsstelligen Preisdifferenzen. Ich habe mal versucht, Preiskategorien für die Porsche 911 des Modelljahres 1964 / 1965 zu bilden.

Preiskategorie 1: Prototypen – ab 1.000.000 EUR

Vor dem Serienstart Ende 1964 baute Porsche einige Prototypen des ursprünglich „Porsche 901“ getauften neuen Wagens zu Testzwecken. Diese Autos unterschieden sich teils wesentlich von den späteren Serienautos auch wenn man für diese Details natürlich ein echter Experte sein muss.

Nach ausgiebigen Tests und zahlreichen Umbauten und Modifikationen wurden einige der Prototypen verschrottet. Andere gelangten Mitte der Sechziger als 911er auf den Markt. Das Schicksal der meisten dieser „Blauen Mauritius“ unter den Elfern ist unbekannt.

Die Chance, so ein Auto zu bekommen, geht gegen Null. Auf der anderen Seite sind Porsches eher selten weggeworfen worden. Und vielleicht stehen ja noch irgendwo in verborgenen Garagen welche herum. Wer sich für das Thema interessiert, findet in dem sehr empfehlenswerten Porsche 901 Buch von Jürgen Lewandowski  eine vollständige Liste der 901 Prototypen.

Was so ein Prototyp kostet? Unter 1.000.000 EUR dürfte sich da nichts abspielen. Aber – auch Bugattis sind ja schon als Garagenfund auf dem Land wieder aufgetaucht.

Preiskategorie 2: Echte 1964er Porsche 911: ab 100.000  EUR

Ein echter 1964er Porsche ist zwischen September 1964 und Dezember 1964 gebaut worden. Schon der kurze Zeitraum lässt erkennen, dass nicht viele davon produziert wurden. Von den gebauten 230 Stück taucht mal einer bei eBay auf. Mal einer auf Craigslist in den USA, mal einer bei Autoscout. Die Preise sind ausschließlich sechsstellig. Fast egal ist dabei, wie viel vom Auto noch übrig ist. Angeblich gibt es weltweit nur noch etwa 50 Exemplare vom 64er.

1964er Porsche im Angebot im März 2013 bei Carparc USA (http://www.carparcusa.com/albumDetail.php?id=13)

1964er Porsche im Angebot im März 2013 bei Carparc USA (http://www.carparcusa.com/albumDetail.php?id=13) – Auf diesem Bild ist eines der kleinen Details sichtbar, das den 64er vom 65er unterscheidet: Das Schlossblech für den Heckdeckel hat nicht die für den 911er charakteristischen Prägungen für die Aufkleber.

Für restaurierte Fahrzeuge liegen die Preise irgendwo über 200.000 EUR. Je originaler desto teurer. Insgesamt also unerschwinglich für Leute wie mich. Aber wahrscheinlich noch mit Wertsteigerungspotential. Das wäre kein Wunder bei 50 Überlebenden.

Zur Warnung: Alle, die soviel Geld investieren wollen, sollten SEHR genau hingucken. Denn nichts ist so schnell zusammgefälscht, wie ein rarer 64er Porsche 911. Mann nimmt sich einen 65er Porsche 912 für ein paar tausend Dollar, ein Schweißgerät, etwas Blech und einen begnadeten Blechkünstler: Dann ein bißchen Schweißen hier, ein bißchen dengeln da und schon hat man mindestens 150.000 EUR oder mehr Nettoverdienst erlötet. Ich stelle ich mir das zu einfach vor? Wahrscheinlich nicht – denn einschlägige Geschichten mit gefälschten Porsche 911 RS 2.7 sind bekannt. Und das Preisniveau ist mittlerweile das selbe.

Preiskategorie 3: Porsche 911 im Originalzustand aus der Produktion Januar 1965 bis Juli 1965: ab 100.000 EUR

Fast gleichauf mit den 1964er Urelfern rangieren 911er von 1965 im Originalzustand mit Originallack und mit nachvollziehbarer Historie. Das sind Autos, die man noch vor ein paar Jahren einer Vollrestauration unterzogen hätte, weil der Lack ein paar Kratzer hat und die Sitze durchgesessen sind.

1965er Porsche 911 im Originalzustand bei Pure Classics im März 2013 (http://www.pure-classics.de/fahrzeugangebot/porsche-911-2-0-coupe-1965)

Mit 165.000 EUR ausgepreister 1965er Porsche 911 im Originalzustand bei Pure Classics im März 2013 (http://www.pure-classics.de/fahrzeugangebot/porsche-911-2-0-coupe-1965)

Der Preis für solche wirklich extrem raren Vögel : Ab 150.000 EUR aufwärts werden im März 2013 gefordert. Kein Wunder – denn so wie ein Porsche anno 1965 rostete, werden da nicht viele von übrig sein.

Preiskategorie 4: Restaurierte Porsche Baujahr 1965 aus der Produktion Januar 1965 bis Juli 1965 – ab 80.000 EUR

Die zurzeit in Deutschland auf dem Markt befindlichen „restaurierten“ frühen Porsche 911 werden ab ca. 75.000 Euro angeboten.

Ich schreibe bewusst „restauriert“, weil der Begriff so lächerlich dehnbar ist. Eine Restauration sollte aus meiner Sicht fotodokumentiert sein und das Ziel haben, den Wagen nah an den Auslieferungszustand zurückzubringen. Dabei sollten möglichst viele originale Teile zum Einsatz kommen und nur in Ausnahmefällen reproduzierte Ersatzteile verwendet werden.

Große Klappe: Restaurierter 1965er bei "Classics at the Castle", Castle Hedingham, 2012

Große Klappe: Restaurierter 1965er bei „Classics at the Castle“, Castle Hedingham, 2012

Solche Autos sind 80.000, 100.000 oder auch 120.000 EUR wert, weil man das Geld beim Spezialisten auch schnell hineinversenkt. Gefordert werden in Extremfällen (ich denke an die Techno Classica 2012…) bis zu 190.000 EUR für solche restaurierten Autos. Das halte ich auch für einen brilliant restaurierten Wagen für ziemlich übertrieben. Noch.

Den immer noch aktuellen Trend, Autos „besser als neu“ zu restaurieren, finde nicht nur ich persönlich grausam. Die vor kurzem verabschiedete „Charta von Turin“ des Oldtimer-Weltverbandes FIVA legt erstmals fest, was „restauriert“ und „konserviert“ ist. Eine interessante und sehr sinnvolle Entwicklung.

Unabhängig von der Charta entwickelt sich der Markt für historische Porsches und andere Oldtimer  glücklicherweise ohnehin in eine Richtung, die Patina und Originalzustand deutlich höher bewertet, als Hochglanzrestaurationen auf Zustand 1-Niveau.

Preiskategorie 5: Rallyeversionen – ab ca. 45.000 EUR

Die ehemalige Baujahrsgrenze 1965 führt auf dem Markt früher Urelfer zu einem interessanten Phänomen. „Rallye-“ und „Rennelfer“ werden zu häufig moderaten Preisen ab 45.000 EUR angeboten. Das hat den Vorteil, dass man einen raren Urelfer erwirbt, mit dem man noch dazu an Veranstaltungen teilnehmen kann.

Ganz früher Rallye-Elfer (oder Zwölfer?) auf dem Porschetreffen in Dinslaken. Schön bunt - aber rückrüsten auf Originalzustand wird teuer!

Ganz früher Rallye-Elfer (oder Zwölfer?) auf dem Porschetreffen in Dinslaken. Schön bunt – aber rückrüsten auf Originalzustand wird teuer!

Es hat aber auch zahlreiche Nachteile. So muss man bei Rallyeelfern immer davon ausgehen, dass sie „hart rangenommen“ wurden oder sogar Unfälle hatten, die die Substanz beeinträchtigen. Außerdem ist die Rückrüstung solcher Autos auf den ehemaligen Originalzustand eine teure Angelegenheit. Das beginnt bei der Entfernung von Überrollbügeln und anderem Rallyezubehör und hört beim Kauf von originalen Innenausstattungen noch nicht auf.

Preiskategorie 6 – Restaurationsobekte: Ab 15.000 EUR

Noch gibt es sie. Die seit Jahren herumstehenden und restaurationsbedürftigen Urelfer der frühen Baujahre.

Bei Preisen ab etwa 15.000 EUR lässt sich hier seltenes automobiles Kulturgut zum Schnäppchenpreis erwerben. Doch natürlich hat die Sache einen Haken. Eine gute Restaurierung geht richtig ins Geld. Und auch Ersatzteile für frühe Elfer sind nicht zum Schnäppchenkurs zu bekommen zumal sie sich häufig erheblich von den Teilen für die späteren Baujahre unterscheiden.

Money makes the world…

Die Entscheidung, in welcher Preiskategorie ich auf die Suche gehen möchte, ist schnell getroffen.

Prototypen und 64er liegen weit außerhalb meines geringen Budgets. Außerdem möchte ich den Wagen ja nicht für meine Sammlung, sondern zum fahren. Für einen guten originalen 1965 oder eine Top-Restauration genügt das Budget ebenfalls nicht. Ich kann nicht den Gegenwert einer Eigentumswohnung in ein Auto stecken.

Eine Rallyeversion wäre eine Alternative. Aber dann nur ein Wagen, der noch möglichst viel Originalsubstanz hat und rückrüstbar auf die völlig originale Optik ist. Mal schauen, was sich anbietet. Vielleicht kaufe ich ja ein Restaurationsobjekt? Doch restaurieren möchte ich nicht. Mir fehlt der Platz und auch die Zeit für sowas. Und der 72er S wartet eigentlich schon seit zwei Jahren drauf…

Ebenfalls keine Alternative für mich: Ein 1965er „Modelljahr 1966“. Das sind die Autos, die ab August 1965 nach den Werksferien bei Porsche gebaut wurden. Der Garagengoldkäufer in mir fühlt, dass diese späten 65er zwar ebenfalls schöne Autos sind, sich aber preislich auch in Zukunft unterhalb der echten Modelljahr 64/65 Fahrzeuge einordnen werden. Denn so wie der 2.4 Liter 911 S im Sog der Preisentwicklung des RS 2.7 preislich anzog, werden es die frühen 65er im Soge der massiv steigenden Preise für die echten Porsche 911 aus dem Baujahr 1964 tun.

66er/67er S als Alternative

Eine einzige Alternative zum frühen 65er halte ich mir für meine Suche noch offen. Wenn mir ein früher 1966er oder 1967er 911 S begegnet, werde ich schwach und lasse das Projekt 65er Porsche fallen. Denn der wäre mit seinen 160 PS aus der 2.0 Liter Maschine eine fantastische Ergänzung zum 72er S und ist eine spannende Mischung aus Fahrmaschine und Wertanlage.

Fazit – Wonach ich suche

Um es kurz zu machen: „Mein Auto“ wäre ein nicht restaurierter, aber technisch guter, fahrbarer und relativ originaler 1965er aus der Produktion bis Juli 1965.

Er sollte preislich irgendwo unterhalb einer magischen Herzinfarktgrenze von 60.000 Euro angesiedelt sein. Am besten deutlich drunter. Wir sind ja nicht Familie Krösus.

Aber – sowas gibt es natürlich nicht am Markt. Kümmert mich das? Nicht wirklich – denn die selbe Situation hatte ich bereits beim 72er S und habe trotzdem einen gefunden. Die Suche kann beginnen!

Quellenangaben

 

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hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

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