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Wo war ich? Achso – der Porsche 911 von 1965 ist durchgerostet

Written by hansbahnhof

Das Jahr 2014 ist durchgeplant. Aber es gibt noch einige Arbeiten, die am 65er Porsche 911 zu machen sind, bevor die Porsche Saison 2014 starten kann. Auf der Liste bis Saisonbeginn steht, neben einigen Kleinigkeiten, die ich selber machen kann, die Tankauflage. Die ist nämlich durchgerostet.

Das Jahr 2014 ist durchgeplant. Aber es gibt noch einige Arbeiten, die am 65er Porsche 911 zu machen sind, bevor die Porsche Saison 2014 starten kann. Auf der Liste bis Saisonbeginn stehen

  • Tankauflage
  • Entrosten des Bodenblechs Fahrerseite innen – Wiedereinbau / Einkleben der Isolierung und des Teppichs
  • Entrostung einiger Stellen am Unterboden
  • Austausch der fiesen amerikansichen Gummischalter gegen authentische schwarze Schalter

Die schwierigste Aufgabe ist natürlich die Tankauflage. Die ist – wie bei vielen F-Modellen – an einigen Stellen durchgerostet und dünn wie Papier. Ersatzteile sind als Nachfertigung zu bekommen. Doch Do it yourself ist hier fehl am Platz. Denn das Ersetzen der Tankauflage bedeutet, das mit einer Lehre gearbeitet werden muss, um die Achsgeometrie nicht zu verstellen. Tricky.

Nach Rücksprache mit dem Schrauber meines aktuellen Vertrauens, mache ich mich bei 2 Grad Plus und Regen (nicht schon wieder!) auf den Weg zu einem ausgewiesenen Karosserieexperten. Ein Mann, der selbst vor Porsche 356 Carreras, Porsche 911 2.7 RS und …. meinem 65er nicht zurückschreckt.

Klappe auf In guter Gesellschaft - Porsche 911 von 1965 mit einigen älteren Brüdern.

Klappe auf In guter Gesellschaft – Porsche 911 von 1965 mit einigen älteren Brüdern.

Der Experte

Der Karosserie-Experte residiert am Ende von Nirgendwo ganz am Rande der Weltscheibe und braucht keine Werbung. Man fährt über eine schlaglochübersähte Straße durch ein Tor, das von einem scharf aussehenden Vierbeiner bewacht wird. Innendrin ist alles picobello und mein Blick fällt auf eine 356er Knickscheibe, die gerade frisch vom Lackierer kommt. Doch wir sind ja wegen einem vergleichsweise neuen Auto hier. Meinem.

Der Karosserie-Experte ahnt Böses, als er den schmutzignassen 65er in die heiligen Hallen einweist. Ich öffne die Motorhaube und entferne einige Lagen Tüten, Abschleppseile, Ersatzkeilriemen, Werkzeug, leere Haggisdosen, Ölkanister und anderes wichtiges Zeugs. Restbestände unserer Schottland-Gewalttour 2013. Nachdem ich die mit 4/65 gestempelte 4,5 Zoll Lemmerz Chrom-Ersatzfelge vorsichtig auf dem Werkstattboden abgelegt habe, liegt der Blick auf die Tankauflage frei.

Der Hammer

Ich bin angespannt. Zugegeben. Denn was ich mit meinem Laienauge vorn im Bereich der Tankauflage an Korrosion gesehen hatte, machte micht unruhig. Doch der Karosserie-Experte setzt einen entspannten Gesichtsausdruck auf: „Damit hätte er eigentlich nicht durch den TÜV kommen dürfen! Ist aber nicht so schlimm“, konstatiert er, „die Substanz ist bis auf einen kleinen Bereich im vorderen Teil der Tankauflage gut. Das muss auch ersetzt werden. Aber unter der Batterie und an anderen Stellen im Vorderwagen macht das Blech einen sehr soliden Eindruck.“

Dann greift er zu Hammer und Rollbrett. Für zwei Minuten höre ich dumpfes Geklopfe aus Richtung 50 Jahre altem Unterboden. Dann rollt das Rollbret wieder unter dem 65er hervor: „Sieht gut aus unten – alles in Ordnung. Auch die Schweller. An ein paar Stellen ist der Unterbodenschutz ab. Da sollten Sie vor der Saison noch was dran machen. Ansonsten ist das einer der besten nicht restaurierten frühen Elfer, den ich hier bislang stehen hatte.“

Dann mal los

Und was jetzt? Frage ich. Stoßstange ab, Tank raus, Unterbodenschutz weg. Danach Teile kaufen und mit der Lehre einschweißen. Insgesamt, so der Experte, wird der Spaß ungefähr zwei Wochen dauern. Dann ist der 65er vorn wie neu. Wo wir dabei sind, wird der originale Tank bis zur Restauration in ein paar Jahren ins Regal gelegt. Er wird bis dahin durch einen billigen Nachbau-Tank ersetzt. Sicher ist sicher.

Pu

Der 65er ist laut Einschätzung des Karosserie-Experten also ein richtig gutes Auto mit wenig Korrosionsproblemen. Mir fallen so einige Steine vom Herzen. Schöne Grüße an die „Kauf-Bloß-keinen-Elfer-in-den-Staaten-ohne-ihn-Dir-vorher-anzugucken- Fraktion.

 

About the author

hansbahnhof

Unheilbarer Petrolhead seit 1966. Hat begonnen mit Vespa-Motorrollern und dann irgendwann mit Porsche weitergemacht.

4 Comments

  • Wünsche viel Erfolg, schöner Wagen!
    Der Targa gefiel mir aber auch sehr sehr gut.
    Eigentlich braucht man 2 schöne Fahrzeuge, wenn man bescheiden ist.
    Angesichts der Preisentwicklung macht mich diese Erkenntnis täglich nervöser.

    Grüsse aus Westfalen
    Andreas

    • Danke! Der Targa ist ja noch da – wird aber jetzt geschont und (hoffentlich) bald restauriert. Ob ich ihn dann aber noch mit Spaß fahre, steht auf einem anderen Blatt. Wer will schon mit einem 200.000 Euro-Auto durch Europa gurken….

  • Ja, das ist schwer….nimmst Du halt das 150.000€ teure Coupe.
    Ein echter Härtefall.

    In Westfalen liegt Schnee und mein Targa wird auch im Bereich Batteriefach/ Tank über den Winter
    geliftet.

    Grüsse und viel Erfolg bei der Suche nach einem neuen Eigenheim!

    Andreas

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